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Was tun wenn wirklich mal richtig Winter ist?

Einige Erfahrungen von Thomas / DL3NCS.

 

 

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung. Dieser oft zitierte Satz ist zum einen Teil richtig, suggeriert jedoch auch, dass ich mit schierer Technik jegliche Situation beherrschen kann. Dies wiederum ist absolut falsch. Meine kleine Aufzählung beginnt zwar mit dem Thema Bekleidung, doch auch die anderen Themen sind mindestens genau so wichtig.

 

Sie erhalten hier keine verbindlichen Verhaltensregeln und keine medizinischen Ratschläge!

Dies gilt auch für mit diesem Artikel verlinkte Seiten.

     

 

 

1. Bekleidung

 Bekleidung besser etwas weiter als zu eng wählen. Die Bekleidung soll gegen Nässe, Kälte und Wind schützen. Mehrschichtige Kleidung („Zwiebelschalentechnik“) kann leicht an die jeweilige Temperatur angepasst werden.

Kopfbedeckung tragen! Der Mensch verliert etwa 1/3 seiner Körperwärme über den Kopf, da der Kopf stark durchblutet ist, sich aber unter der Kopfhaut nur eine geringe Fettschicht befindet die isolierend wirkt. Bedecken Sie auch die Ohren. Durch ihre exponierte Lage kann es hier zu Kälteschäden kommen.

Auf ordentliches Schuhwerk achten. Gummistiefel halte zwar die Füße trocken, isolieren aber kaum. Schwitzt man dann in den wasserdichten Stiefeln fängt man in kurzer Zeit an an den Füßen zu frieren, da der Schweiß den Körper kühlt. Trecking-Schuhe sind hier ganz brauchbar. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den Bergstiefeln der Bundeswehr gemacht (nicht die sogenannten „Springerstiefel“). Hervorragende finde ich auch „Fliegerstiefel“. Diese bestehen aus einem festen Schuhteil und einem langen Filzschaft der die Waden warm hält.

Schuhe etwas größer wählen, damit dicke Socken hinein passen und auch noch Platz für eine isolierenden Luftschicht ist.

Handschuhe tragen. Schon bei wenigen Grad unter Null ist der Hautkontakt mit kaltem Werkzeug unangenehm und kann zu Hautschäden führen. Also auch schon bei der Konstruktion der Antennenanlagen an "handschuhgerechte" Bedienbarkeit denken.

 

  2. Ernährung

 Für Brennstoff sorgen. An genügende und regelmäßige Kalorienzufuhr denken. Viele kleine Rationen sind besser als eine große Mahlzeit. Dadurch benötigt der Körper nicht so viel Energie für die Verdauung.

Ausreichend trinken, denn nur ein stabiler Kreislauf kann die Körperwärme ordentlich regulieren. Finger weg von Kaffee, da er ähnlich gefäßerweiternd wirkt wie Alkohol. Besser ist nicht all zu heiße Hühnersuppe, da diese unter anderem auch Salz enthält. Nicht zu warm trinken, sonst kommt man eventuell sogar ins schwitzen, was zu anschließendem frieren führt.

Finger weg von Alkohol! Der Berner Sennenhund mit dem Rumfäschen um den Hals gehört ins Reich der Legenden. Alkohol erweitert die Blutgefäße und enthemmt. Die vermeintlich wärmende Wirkung ist ein Trugschluss.

 

 3. Verhaltensweise

Direktes Tragen von Metall, (z.B. Armbanduhr, Ohrringe) auf der Haut vermeiden. Hier kann es leicht zu Hautschäden kommen.

Raus aus dem Wind! Minus zehn Grad sind bei Windstille bei weitem angenehmer als bei einem Wind von "nur" 20km/h. Bei hohen Windgeschwindigkeiten können schon wenige Grad unter Null bedrohlich werden. 

Stetig in Bewegung bleiben. Wer das Arbeiterdenkmal mimt braucht sich auch nicht wundern wenn er friert.

An die Haut denken. Eine Creme mit viel Fett schützt die Haut vor Austrocknung. Auf Produkte mit hohem Wasseranteil besser verzichten, da das Wasser in der Creme durchaus gefrieren kann und die winzigen Eispartikel dann die Haut schädigen können.

Bevor man ins Wärme kommt Schnee abbürsten oder abklopfen. Wenn das weiße Zeug zu schmelzen beginnt wird´s nasskalt und somit unangenehm. Im Warmen möglichst gleich Bekleidung ablegen, damit man nicht zu schwitzen beginnt.

Häufige warm/kalt-Wechsel vermeiden. Das belastet den Kreislauf unnötig.

Wetter beobachten. Lassen Sie sich nicht vom nächsten Schneeschauer überraschen.

 

 4. Das wichtigste zum Schluss: Nicht übertreiben!

Erst denken, dann handeln. Bereiten Sie sich schon einige Tage vorher auf die Situation vor. Das Internet hält mittlerweile recht zuverlässige Wettervorhersagen bereit. Fatalismus („Das wird schon gut gehen.“) , Selbstüberschätzung oder „No risk – no fun“ sind hier absolut fehl am Platz.

Nicht den Helden spielen sondern ausreichende Pausen einplanen. Selbstbeobachtung durchführen! Wer müde ist friert schneller. Auch nachts im Schlafsack sollte man eine Mütze tragen. Im Schlafsack auch an den freien Abzug der Atemluft denken, sonst wird´s klamm und ungemütlich.

Polarexpeditionen den Fachleuten überlassen! Sie erhalten von mir lediglich einige Erfahrungswerte. Dies soll keine Aufforderung sein, sich unüberlegt in Situationen zu bringen die Sie nicht beherrschen. Bedenken Sie bitte, dass es trotz unserer Lage in Mitteleuropa, immer wieder Kältetote in Deutschland gibt. Minus 10°C fern ab einer beheizten Stube sind nicht so ungefährlich wie man es vielleicht gerne annehmen mag. Vor allem nicht, weil wir ja keinen Sonntagsspaziergang unternehmen sondern an einem Wettbewerb teilnehmen, der 24 Stunden dauert und uns zusammen mit der Auf- und Abbauzeit zu 30 bis 40 Stunden im Freien fordert. Wir sind nicht auf solche Witterungsextreme trainiert. Unser „Kerngeschäft“ ist der Amateurfunk-Contest und nicht die Hundeschlitten-Tour durch Grönland. Wir können das Wetter nicht ändern sondern uns ihm nur anpassen und umsichtig handeln.